
Im Centurion Club im englischen St Albans ist die erste Runde der PIF London Championship 2026 gespielt. Anna Huang führt das Feld nach dem Auftakttag an – drei Runden stehen noch aus. Doch während die Profis auf dem Par-72-Kurs über 7.100 Yards um 2 Millionen US-Dollar kämpfen, tobt abseits des Fairways eine Debatte, die weit über den Sport hinausgeht: Ist das Engagement des Public Investment Fund (PIF) Saudi-Arabiens das Beste oder das Schlimmste, was dem Frauengolf passieren konnte?
Eine Serie der Superlative
Die PIF London Championship ist das Auftaktevent der PIF Global Series 2026 – fünf Turniere auf drei Kontinenten mit einem Gesamtpreisgeld von 15 Millionen US-Dollar. In London winken 300.000 Dollar für den Sieg; das neu ins Programm aufgenommene Aramco Championship auf dem legendären Shadow Creek-Kurs in Las Vegas bietet sogar 4 Millionen Dollar Gesamtpreisgeld. Zahlen, die noch vor wenigen Jahren auf der Ladies European Tour schlicht unvorstellbar gewesen wären.
Die Serie, organisiert von Golf Saudi und PIF und co-sanktioniert von LET und LPGA, hat sich zudem ein neues Format gegeben: Statt des früheren Team-plus-Einzel-Modus setzt die Global Series 2026 ausschließlich auf klassisches 72-Loch-Zählspiel. Nach 36 Löchern werden die besten 60 Profis und alle punktgleichen Spielerinnen für das Wochenende qualifiziert. Eine Annäherung an LPGA- und LET-Standards – und möglicherweise ein Signal, dass die Serie dauerhaft im Mainstream des Profigolfs ankommen will.
Sportswashing oder echter Fortschritt?
Hinter den glänzenden Zahlen lauert eine unbequeme Frage. PIF ist weit mehr als ein Golfsponsor: Der saudi-arabische Staatsfonds übernahm 2021 Newcastle United FC und finanzierte ab 2022 das umstrittene LIV-Golf-Format. Kritiker sprechen von Sportswashing – dem Versuch, Menschenrechtsverletzungen durch prestigeträchtige Sportinvestitionen international zu kaschieren. Die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien, insbesondere gegenüber Frauen, LGBTQ+-Personen und politischen Dissidenten, steht im Zentrum dieser Kritik.
Spielerinnen wie Charley Hull – laut dem britischen Portal Golfshake.com Topfavoritin auf den Titel in London –, Nelly Korda, Leona Maguire und Patty Tavatanakit haben alle direkt von PIF-Preisgeldern profitiert. Gleiches gilt für Bronte Law, Siegerin der 2022er-Ausgabe im Centurion Club, und die Engländerin Georgia Hall. Die Befürworter halten dagegen: Das Preisgeld ist real, die Plattform ist legitim, und aktive Teilnahme ist besser als Isolation.
Tom Phillips, CEO der LET, formuliert es klar: „Die PIF London Championship ist zu einem Eckpfeiler des LET-Kalenders geworden." Ein Bekenntnis – und zugleich ein Beleg dafür, wie eng die Tour finanziell an diese Partnerschaft geknüpft ist.
Die unbeantwortete Frage: Wie nachhaltig ist das alles?
Golfshake.com hat in seiner Turniervorschau offen „ernsthafte Fragen zur Zukunft" des Events aufgeworfen. Was geschieht, wenn sich saudi-arabische Prioritäten verschieben, LIV-Golf-Kontroversen eskalieren oder PIF sein Kapital umlenkt? Der LET-Kalender würde eine strukturelle Lücke hinterlassen, die der Verband aus eigenen Mitteln kaum schließen könnte – ein Risiko, das die Tour mit ihrer öffentlichen Unterstützung stillschweigend in Kauf nimmt.
Im Centurion Club jedenfalls ist die Geschichte des Turniers eindrucksvoll: Titelverteidigerin Laura Fuenfstueck gewann 2025 mit zehn Schlägen unter Par; davor triumphierten Leona Maguire (2024), Nelly Korda (2023), Bronte Law (2022) und Marianne Skarpnord (2021). Wer 2026 in diese Reihe aufgenommen wird, entscheidet sich bis Sonntag – Runde eins ist gespielt, drei weitere folgen.
Den aktuellen Stand verfolgen Sie hier: PIF London Championship leaderboard.
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